Liedtext "Mein Dörflern ..."
Liedtext "Mein Dörflern ..."

„….Mein Dörflein vom Schatten der Berge bedeckt, ruht lieblich im Dunkel des Waldes versteckt,“….  so beginnt die „Hymne des Knülls“ . Pfarrer Samuel Raith (Pfarrer in Hülsa von 1900 – 1912) schrieb dieses Lied im Jahr 1920 für seine Tochter Ingeborg zu deren 13. Geburtstag.  Die erste Strophe beschreibt das Dörflein Ellingshausen. Im Refrain heißt es:  „Mein Dörflein am Knüll, so lieb, so schön, ist nichts auf der weiten Welt zu sehn.“

Ein Absatz aus der Gedenkschrift zur Einweihung des Dorfgemeinschaftshauses im Jahr 1955 – verfasst von Rektor Werner Ide aus Remsfeld und Lehrer Albert Reuter aus Ellingshausen – greift die Gedanken des Refrains auf und beschreibt unser Dörfchen so treffend, damals wie heute:

„Gewiss wird es manch schöneren Ort auf der Welt geben, wer aber das Jahr hindurch in der Großstadt seinem Beruf nachgeht, der die volle Nervenkraft beansprucht, wird Ruhe und neue Kraft in den schönen Wäldern um Ellingshausen finden und in der einfachen, schlichten dörflichen Umgebung lernen, sich wieder an kleinen Dingen zu erfreuen, sei es am Lichtspiel der Sonne, dem Morgennebel über der Wiese, den Blumen oder dem Reh am Waldesrand.“


Einsiedler Ellinc 


Weiter kann man lesen, dass Ellingshausen  seine erstmalige Erwähnung im Jahr 1317 der Tatsache verdankt, dass es von derer von Waldenstein verkauft wurde an die von Homberg. Nach 1427 fällt Ellingshausen durch die Erbfolge an die von Baumbachs.

Der Sage nach wurde Ellingshausen zwischen dem 5. und 8. Jahrhundert von einem Einsiedler namens Ellinc gegründet.  Vermutlich bestand die erste Siedlung aus einem Einzelgehöft um das dann andere Siedler herumbauten. Dass es sich hier um Klosterbesitz handelt lässt sich aus den Flurnamen Klosterstein, Jesusgehege oder Pfaffenpfad ableiten, die es auch heute noch gibt. Diese Geschichte gefällt uns Ellingshäusern besser, als die Erwähnung in einer Verkaufsurkunde. Darum lassen wir zu unserem Fest den Einsiedler Ellinc „auferstehen“ um die Gäste zu begrüßen und vielleicht den ein oder anderen Thaler zu sammeln.


Ellingshausen in den 1950er Jahren
Ellingshausen in den 1950er Jahren

 

Dorfgemeinschaftshaus


Im Jahr 1955 wurde unser Dorfgemeinschaftshaus (das 2. in Hessen) eingeweiht. In der dazu verfassten Festschrift, die gleichzeitig bis zum heutigen Tage unsere Chronik ist, ist dazu folgendes zu lesen:

 

„Unser Dorfgemeinschaftshaus wird mithelfen, dass es sich in Zukunft auch in Ellingshausen besser leben lässt: Für die Kinder ist ein Spielplatz angelegt. Die Hausfrau braucht sich bei der Wäsche nicht mehr zu quälen. Die neue Waschanlage nimmt ihr die mühevolle Arbeit ab. Die Höhensonnenbestrahlungen der Gesundheitsstation wird sich besonders zu sonnenarmen Zeiten bei unseren Kindern heilkräftigend auswirken. Im Leseraum finden wir Erholung und Erbbauung bei guten Büchern. Zum Plaudern, Spiel, Gesang, Film und Rundfunk, für Laienspiel und ernste Diskussion, Feiern und anderen Anlässen ist der Gemeinschaftsraum da. Zu welch anderer Zeit und in welchem anderen Land wurde einer kleinen finanzschwachen Gemeinde der Bau eines solchen Gemeinschaftshauses ermöglich“?

 

 Das Haus erfreute sich so großer Beliebtheit, dass es nur wenige Jahre später einen Anbau erhielt.

 

Der Gemeinschaftsraum war jetzt mehr als doppelt so groß und im Erdgeschoss des Anbaus wurde eine Gemeinschafts-Gefrieranlage sowie ein Kühlhaus und ein Raum für Hausschlachtung eingerichtet.

 

Bis zum heutigen Tag finden hier gesellige Nachmittage, Familienfeiern und Vereinssitzungen statt. Im Leseraum trifft sich wöchentlich der Ev. Frauenkreis. 


Hoher Besuch aus Berlin


Im Jahr 1961 bekam Ellingshausen hohen Besuch aus Berlin. Der damalige regierende Bürgermeister und spätere Bundeskanzler Willy Brandt wurde im Dorfgemeinschaftshaus festlich empfangen. Die Verbindung zu Berlin brachte auch erste Erholungsgäste nach Ellingshausen. Kriegswitwen mit ihren Kindern und auch junge, finanziell nicht so gut gestellte Familien, wurde durch Fördermittel der Stadt Berlin ein Erholungsaufenthalt im Luftkurort Ellingshausen ermöglicht.


Großgemeinde, Tourismus und Verkehr 


Im Zuge der Gebietsreform im Jahr 1972 endet die Selbständigkeit der Gemeinde  Ellingshausen. Mit 15 weiteren Orten wurden wir zur Großgemeinde Knüllwald zusammengefügt. Der Sitz der Verwaltung ist Remsfeld. Letzter Bürgermeister in Ellingshausen war seit 1949 Heinrich Hagemann. In seine Amtszeit fällt auch der Bau des Dorfgemeinschaftshauses im Jahr 1955. Bis heute wird es als Treffpunkt für Vereine und Feiern genutzt.  Die Gestaltung des Innenraums mit seinen Wandgemälden und den geschnitzten Lampensockeln verdanken wir unserem ehemaligen Lehrer Albert Reuter der die Ellingshäuser Schule bis zu ihrer Schließung im Jahr 1968 leitete.

 

In Ellingshausen wurde in den 1960er bis 1990er Jahren neben der Landwirtschaft auch auf den Fremdenverkehr gesetzt. So manchen Sommer waren alle Pensionen ausgebucht und einige Autofahrer fuhren in Remsfeld oder Aua von der Autobahn A 7 ab um in Ellingshausen bei Oma Hehr zu tanken und ein Schwätzchen zu halten – manchmal auch, um ein paar Tage hier Urlaub zu machen.

"Entspannung pur in der Natur", ganz besonders an der großen Teichanlage am Ortsausgang Richtung Mühlbach  gelegen. Hier hat so manches Mädel und so mancher Bub das Baden erlernt. Ganz treue Gäste – Margret und Günther Kruse -  kommen in diesem Jahr auf 50 Jahre Urlaub in Ellingshausen.  Der Fremdenkehr ist heute mangels Gästen keine nennenswerte Einnahmequelle mehr.

 

Was geblieben ist, ist die Umleitungsstrecke für die A 7.  Bei Stau donnern heute die  LKWs und Autos eher unfreiwillig durch unser Dörfchen. Dann ist von Ruhe und Beschaulichkeit nichts mehr zu spüren.

Teichanlage vor den Toren Ellingshausens
Teichanlage vor den Toren Ellingshausens
Ellingshausen in den 1980er Jahren
Ellingshausen in den 1980er Jahren

Evangelische Kirche 


Ein besonderer Blickfang ist unser kleines Kirchlein. In den Jahren 2010 bis 2013 generalsaniert, ist sie unser ganzer Stolz. Während der Sanierung wurde das Ostfenster wieder geöffnet und nun strahlt der Innenraum im Morgensonnenlicht sodass der neugestaltete Altarraum besonders schön zur Geltung kommt. Um Spenden für diese Sanierung zu sammeln gründete sich im Jahr 2008 der „Förderkreis  Kirche Ellingshausen“.  Mit unterschiedlichen Aktivitäten wie Kuchenverkauf beim Hessentag in Homberg, Kirchenfeste, besondere Gottesdienst und vieles mehr ist es gelungen, fast 32.000 € an Spenden zu sammeln. Das war für uns eine enorme Leistung!

Evangelische Kirche in Ellingshausen
Evangelische Kirche in Ellingshausen

Die Revierförsterei von Ellingshausen

Das Gebäude der Revierförsterei auf der Trift ist aus dem 18 Jahrhundert. 1923 hat Herr Heinrich Blau die Försterei übernommen und bis zu seinem Ruhestand 1948 geleitet. Im Anschluss wurde die Försterei von Herrn Norbert Mönnig bis 1958 geleitet. Herr Mönnig wurde danach auf eigenen Wunsch nach Emsdorf Kreis Marburg versetzt.
Von 1958 bis zur Auflösung 1974 war Herr Richard Krause hier Revierförster. Er wurde nach Spangenberg versetzt.
Das Land Hessen hat im Anschluss  das Gebäude 1975 verkauft, heute wird es von privat bewohnt.

Die Freiwillige Feuerwehr Ellingshausen
 
Von den Löscheimern, über die Handspritze zum Feuerwehrfahrzeug:
 
Schon 1808 nennt die Ortsgeschichte Einwohner, die zu Löschzwecken lederne Eimer vorhalten mußten.
Erst nach dem am 15.12.1933 in Preußen das  "Gesetz über das Feuerlöschwesen"  erlassen wurde, gründete sich 1934 eine Feuerwehr in Ellingshausen, diemiteinerHandspritze, Baujahr 1908 ausgerüstet war.
1952 bekam die Feuerwehr eine leistungsfähige Tragkraftspritze, die in einem Anhänger (TSA) transportiert wurde. Als Geräteraum, diente ein kleiner RaumimGemeindehausan der Trift, wo auch das Lebensmittelgeschäft von Heinrich Siegner im 1. Stock war.
Von 1969-1970 baute die Gemeinde Ellingshausen ein neues Gerätehaus, mit Mannschaftsraum, Aufenthaltsraum, Garge und Toiletten für die Kameraden.
Günther Harle und Kuno Hagemann holten 1970 das erste Fahrzeug, ein Ford TSF von der Aussattungsfirma Ziegler, Giengen an der Brenz , nach Ellingshausen. 
Mittlerweile ist das 3. Fahrzeug,Inbetriebnahme 1994, hier im Einsatz. 2019 sollen wir ein neues TSFW, welches in einem Neubau des Gerätehausesuntergebrachtwird,bekommen.
 
2009 hatten wir am 25. Juli und 26. Juli 2 schöne Tage, als wir  75 Jahre FFW Ellingshausen mit vielen tollen Aktionen an der Teichanlage feierten.
 
Der Feuerwehrverein wird, seit seiner Abtrennung von der Einsatzgruppe, von Mathias Strippel als 1. Vorsitzenden geleitet, 
Stellvertreter ist Michael Hagemann. Der Verein hat heute 42 Mitglieder und ist somit trotz des demographischen Wandelsweiterhin recht stabil und bildet das Rückgrad des Ellingshäuser-Vereinslebens. 
Seit längerer Zeit schon ist jetzt Martin Bernhardt Wehrführer, Stellvertreter sind Michael Will und Michael Keilert.
Die Einsatzabteilung hat, gerade auch durch die Integration der zugezogenen Einwohner in den vergangenen Monaten, wieder an Schlagkraft gewonnen. Insbesondere in den Notsituationen, in denen Ellingshäuser traditionell zusammenhalten, zeigt sich die Notwendigkeit einer Feuerwehr vor Ort, denn so wird die Hilfe zur Selbsthilfe sicher gestellt. 
In diesem Sinne "Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr"

 

Die Poststelle Ellingshausen

 

 

Bis 1930 wurde die Post durch einen Landbriefträger von Raboldshausen aus zugestellt. Postalisch gehörte Ellingshausen zu Hersfeld. Im gleichen Jahr wurde im Haus Hehr, letztes Haus Richtung Mühlbach, eine Poststelle eingerichtet. Posthalterin war Frau Katharina Wester , verwitwete Hagemann, geb. Hehr. Nach 21 Jahren Posthalterei zog  Frau Wester 1951 nach Homberg in ihr eigenes Haus.

Fortan wurde die Poststelle im Haus Thamm an der Hauptstraße neben dem Gasthaus "Zum Pommer" eröffnet. Posthalterin war jetzt Frau Margarethe Thamm. 20 Jahre war die Poststelle bis 1971 hier untergebracht. Da die Durchgangsstraße begradigt werden sollte, kaufte die Hessische Straßenbauverwaltung das Haus Thamm und ließ es abreißen. Zwischenzeitlich hatten Thamms im Holunderfeld ein Haus gebaut und die Poststelle wurde hier von Frau Thamm noch bis zum 28.02.1976 weitergeführt.

 

Anzumerken ist noch, daß Frau Thamm viel Jahre den Handarbeitsunterricht in der hiesigen Volksschule erteilte und so vielen Ellingshäuser Mädchen die "Nähkünste" beibrachte.

 

Vom 01. März 1976 bis zum 30. Juni 1977 wurde die Poststelle von der Tochter Gabi geleitet, danach wurde die Poststelle  aufgelöst.

 

Ab 01. Juli 1977 kam ein motorisierter Landzusteller vom Postamt Knüllwald-Remsfeld nach Ellingshausen. E wurden auch erweiterte Dienstleistungen angeboten, wie z.B. der Verkauf von Briefmarken, Zustellung der Pakete, Annahme von Einschreibsendungen, Mitnahme von Sendungen.

 

Wiederrum nach einer Zeitspanne von 20 Jahren wird nun seit 1997 die Zustellung von dem Zustellstützpunkt Homberg durchgeführt.  

 


 

Der Gemischtwarenladen von Heinrich und Gretel Siegner

 

 

Nach dem Krieg und seiner kaufmännischen Ausbildung im Kaufhaus Rauch in Homberg Efze eröffnete Heini Siegner mit seiner Frau Gretel 1950 im Gemeindehaus an der Trift  im 1. Stock einen Gemischwarenladen. Auf ca. 25 Quadratmeter wurde hier die Ware angeboten und gelagert. Die Ellingshäuser hatten jetzt eine feste Einkaufsmöglichkeit, denn bis dato kamen nur "fliegende Händler" ins Dorf. Als der Gemischtwarenladen Im Jahre 1959 das erste Eis im Sortiment hatte, waren wir Kinder im Dorf überglücklich, denn das kleinste Eis am Stiel kostete gerade mal 10 Pfennig. Das Gemeindehaus hatte nur wenige Räume, neben dem Laden hatten Siegners ihre Wohnküche und das Schlafzimmer dort untergebracht.

 

Vor dem Treppenaufgang, rechts, war ein kleiner Keller mit Waschküche, hier hatte Heini Siegner auch noch sein flottes uns stets gepflegtes NSU-Motorrad stehen.

 

Nach der Gebietsreform wurde das Gebäude 1973 verkauft. Heini und Gretel Siegner kauften sich nun einen Anteil an der "Alten Schule" und führten fortan hier ihren Lebensmittelladen weiter.  Da das Gebäude deutlich größer war, konnte auch das Sortiment entsprechend erweitert werden. Es gab nahezu alles, was man für den täglichen Bedarf in einem kleinen nordhessischen Dorf alles benötigte. Vom Nagel über die Butter bis zum Nähgarn gab es alles zu kaufen. 1983 lösten Siegners aus Altersgründen ihren Laden auf. Zudem gab es auch Supermärkte auf dem "flachen Land" und so ein kleiner Dorfladen lohnte sich nicht mehr... Wir Älteren erinnern uns dennoch gerne an Heini und Gretel Siegner, die immer hilfsbereit waren.

 


Verändertes Landschaftsbild


Der Blick auf die uns umgebenden Wälder und Felder ist nicht mehr ganz ungetrübt. Richtung Wallenstein steht seit Mitte der 1970er Jahre eine Hochspannungsleitung und seit 2016 drehen sich oberhalb von  Nausis und Hainrode  und für uns gut sichtbar, sieben riesige Windräder. Da war es kein Wunder, dass auch die Ellingshäuser in 2015 aufbegehrten, weil eine weitere Leitung , die sog. SUEDLINK  unser Landschaftsbild in südlicher Richtung durchschneiden sollte. Der Protest aller betroffenen Gemeinden und Städte mit ihren Landkreisen entlang der geplanten Leitung hat Wirkung gezeigt. Nach derzeitigem Stand wird die Leitung so  nicht errichtet.

 

Leerstehende Häuser sind mittlerweile auch bei uns ein Thema. Die Abwanderung der Jüngeren hinterlässt ihre Spuren. Der Altersdurchschnitt liegt bei über 50 obwohl in den letzten Jahren auch wieder Familien mit kleinen Kindern hierher gezogen sind. Die heutige Einwohnerzahl ist mit 120 nur geringfügig höher als die aus dem Jahr 1738 (106). Nebenbei bemerkt: In 1947 waren es 318 Einwohner. Krieg und Vertreibung hatten Menschen auch nach Ellingshausen geführt. Oft war es nur eine erste Station auf der Suche nach einer neuen Heimat. Schön war, dass einige aber auch bei uns diese Heimat gefunden haben und hierblieben.

Da zu unserem Fest ein „Ehemaligen-Treffen“ geplant ist, sind wir auf der Suche nach den Menschen, die ob für eine kurze oder lange Zeit, in Ellingshausen gelebt haben. Dabei muss man über viele Hinweise und Telefonate Namen und Adressen zusammentragen. Keiner soll vergessen werden. Weit verstreut hat es die „ehemaligen Ellingshäuser“: Von Hamburg bis in die Nähe von Stuttgart, ja sogar in die USA führt ihr Weg. Hoffen wir, dass sich möglichst viele im August hier wiedertreffen. Wir freuen uns darauf!

 

Durch den demographischen Wandel ergibt es sich, dass in manchen großen Gehöften nur noch 2 bis max.  4 Personen leben. Die Zeiten der Großfamilien sind vorbei. Einige unserer Einwohner sind im Alter auf sich gestellt. Umso mehr ist „die gute Nachbarschaft“ ein wichtiges Element im Zusammenleben. Jeder hilft Jedem. Das beweist sich nun gerade, wenn es gilt, ein so großes Fest zu organisieren. Jung und Alt – jeder so, wie er kann, wollen helfen, dass es für alle – Besucher, ehemalige Ellingshäuser und Einheimische ein unvergesslich schönes  Wochenende wird.  

 

Das Motto der Feststraße lautet:

„Heimat- und Brauchtumspflege sowie Spiel und Spaß für Jung und Alt !“

Wir freuen uns auf viele Gäste!